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Die Erde menschlich machen


Zwölf Grundsätze, um die Erde menschlich zu machen


Der argentinische Philosoph Mario Rodríguez Cobos (1938-2010) trat als Autor unter dem Pseudonym Silo auf und wird als Begründer und Führer der Humanistischen Bewegung angesehen.


Er vertrat die Ansicht, dass das geistige Leid des Menschen nur durch die Überwindung des Verlangens, der Ursache der verschiedenen Formen der Gewalt, zu lindern sei.


Er bewegte sich in einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem die Zusammenkünfte mit seinen Anhängern immer wieder verboten und sie selbst inhaftiert wurden.


Er trat für einen gesellschaftlichen Wandel ein und lud seine Anhänger dazu ein, Gewalt und Leiden in sich und in der Umgebung zu überwinden. Das persönliche Leiden und die Ursachen dafür sollen in der Vergangenheit gesucht und mit meditativen Übungen überwunden werden.


Silo erkannte aber auch, dass das Leiden zu einem grossen Teil aus einer Sinn-Leere heraus entstand. In zahlreichen Schriften betont Silo deshalb die Notwendigkeit, dem Leben einen Sinn zu geben.


Unter dem Titel «die Erde menschlich machen» veröffentlichte er 12 Grundsätze, die meiner Meinung nach in jedem spirituellen Leben berücksichtigt werden sollten. Wenn Du nach diesen Grundsätzen lebst, hast Du schon viel erreicht.


Diese Grundsätze findest Du im Internet unter dem Begriff «die Erde menschlich machen» unter silo.net in einem pdf. Wenn Du dies liest, wirst Du feststellen, dass Silo viele spirituelle Gedanken zum Ausdruck bringt. Das pdf beinhaltet sogar eine Anleitung zur Meditation. Bei diesem pdf handelt es sich in Wirklichkeit um eine Zusammenstellung von drei Büchern, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden – der innere Blick, die innere Landschaft und die menschliche Landschaft.


Ich selbst bin in jungen Jahren auf diese Grundsätze gestossen, als ich mich der humanistischen Bewegung und der humanistischen Partei der Schweiz angeschlossen habe, aus der ich später aus verschiedenen Gründen – die hier nicht nennenswert sind – wieder ausgetreten bin. Die Grundsätze und deren Interpretation liegen mir vor, weil ich sie aufbewahrt habe. Ich empfand sie damals wie auch heute noch als bedeutsam und wichtig. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob die Interpretationen von Silo selbst stammen oder von jemand anderem, weil ich die Bücher von Silo selbst nicht gelesen habe. Auf jeden Fall werde ich die Interpretationen anlehnend an die Interpretationen, die mir vorliegen, in meinen eigenen Worten zum Ausdruck bringen, so dass Du verstehst, was mit dem jeweiligen Grundsatz gemeint ist. 


Was noch wichtig ist zu betonen: Die Grundsätze müssen als Einheit betrachtet werden. Alle Grundsätze stehen in innerem Zusammenhang mit den anderen Grundsätzen und so müssen sie auch verstanden werden. 


Bevor wir nun aber zu den Grundsätzen kommen, möchte ich Silo selbst zu Wort kommen lassen. Beachte die Spiritualität, die bereits in diesen wenigen Worten liegt.


Er schreibt folgendes:


«Unsere Einstellung zum Leben und zu den Dingen verändert sich, wenn uns die innere Offenbarung wie ein Blitz trifft.


Wenn du den einzelnen Schritten langsam folgst und dabei sorgfältig über das nachsinnst, was gesagt wurde und was noch zu sagen bleibt, kannst du die Sinn-Leere in Sinn verwandeln. Es ist nicht gleichgültig, was du mit deinem Leben machst. Dein Leben, das Gesetzmäßigkeiten unterliegt, steht vor verschiedenen Möglichkeiten, unter denen du wählen kannst. Ich spreche zu dir nicht von Freiheit, sondern ich spreche zu dir von Befreiung, von Bewegung und Prozess. Ich spreche zu dir von Freiheit nicht als etwas Unbeweglichem, sondern davon, sich selbst Schritt für Schritt zu befreien – so wie sich jemand, der sich seiner Stadt nähert, vom bereits zurückgelegten Weg befreit.


„Was man tun soll“ hängt dann nicht mehr von einer fernen, unverständlichen und überkommenen Moral ab, sondern von Gesetzmäßigkeiten: von Gesetzen des Lebens, des Lichts und der Entwicklung.


Hier sind die so genannten „Grundsätze“, die bei der Suche nach der inneren Einheit helfen können:»

 

Grundsatz der Anpassung:


«Wenn man sich der Entwicklung der Dinge entgegenstellt, geht man gegen sich selbst vor.»


Wenn es Entwicklungen in unserem Leben oder in der Gesellschaft gibt, die unvermeidlich sind und nicht verändert werden können, dann sollte man sie akzeptieren und das Beste daraus machen und sich nicht gegen sie stellen.

 

Grundsatz der Wirkung und Gegenwirkung:


«Wenn Du etwas zu erzwingen versuchst, so erzeugst Du damit das Gegenteil.»


Wenn Du Dich selbst oder andere zu stark oder unangemessen unter Druck setzt, erzeugst Du bei Dir selbst oder bei den anderen Widerstand. Überlege Dir, ob und wie Du Dein angestrebtes Ziel auch ohne Anwendung von Druck und Zwang erreichen kannst.

 

Grundsatz der angemessenen Handlung:


«Widersetze Dich nicht einer grossen Kraft. Weiche zurück, bis sie schwächer wird, dann aber gehe mit Entschlossenheit voran.»


Ich kann mir vorstellen, dass dieser Grundsatz vor allem in Bezug auf das schwierige politische Umfeld von Argentinien entstand. Es herrschte dort von 1976-1983 eine Militärdiktatur. Wir können den Grundsatz aber nichtsdestotrotz auch auf unser eigenes Leben anwenden.


In unserem Inneren haben wir vielleicht Widerstände, Blockaden oder «Dämonen», die uns einfach zu gross erscheinen, als dass wir sie überwinden oder besiegen könnten. «Kopf voran und durch» wäre dann wohl nicht das richtige Rezept. Klugheit und Vernunft ist gefragt und der Aufbau von innerer Kraft und allenfalls einer neuen Einstellung, so dass uns das, was uns zuerst gross und unüberwindbar erscheint, mit der Zeit immer kleiner wird, bis der Zeitpunkt gekommen ist, wo wir den Schritt wagen können. 

 

Grundsatz der Proportion:


«Es ist gut, wenn alle Dinge zusammen und nicht vereinzelt wirken.»


Dieser Grundsatz könnte ein Hinweis darauf sein, dass gebündelte gemeinsame Kraft mehr bewirkt als viele Einzelkräfte. Wenn z.B. sieben Menschen zusammen meditieren, erzeugen sie die gleiche Kraft, wie wenn Hundert Menschen für sich allein meditieren.


In den Interpretationen, die mir vorliegen, wird darauf hingewiesen, dass das Leben eine Gesamtheit ist und einer ausgewogenen, nicht einseitigen Entwicklung bedarf. Ich schliesse daraus, dass die verschiedenen Bemühungen und Ziele im Leben aufeinander abgestimmt sein sollten und sich nicht widersprechen sollten. So sollte man z.B., wenn man den spirituellen Weg geht, die weltlichen Pflichten und Aufgaben und auch die Gesunderhaltung des eigenen Körpers nicht vernachlässigen. 

 

Grundsatz der Zufriedenheit:


«Wenn für Dich Tag und Nacht, Sommer und Winter gleich gut sind, dann hast Du die Widersprüche überwunden.»


Wenn wir diese und andere dualistische und naturgegebenen Zustände gleichmütig annehmen, dann befinden wir uns auf Seelenebene. Gleichmut ist eine Qualität der Seele ist. Wir können zwar auf der Persönlichkeitsebene unsere persönlichen Vorlieben und Abneigungen haben, auf der Seelenebene stehen wir diesen Phänomenen jedoch gleichmütig entgegen und sie halten uns deswegen auch nicht von unserem Weg ab. 


Wenn wir einen inneren friedvollen Seinszustand erreicht haben, können uns solche Äusserlichkeiten nicht oder nur sehr schwer aus der Ruhe und aus dem Gleichgewicht bringen. Bzw. wenn wir solchen äusserlichen Phänomenen und unseren damit verbundenen Vorlieben und Abneigungen nicht mehr viel Gewicht beimessen und uns immer mehr mit unserer Seele verbinden, werden wir diesen friedvollen Seinszustand erreichen.

 

Grundsatz des Genusses:


«Wenn Du den Genuss suchst, so fesselst Du Dich ans Leiden. Solange Du jedoch Deiner Gesundheit nicht schadest, geniesse unbefangen, wenn die Gelegenheit sich dazu bietet.»


Es ist nichts daran verkehrt, sein Leben zu geniessen, wenn man jedoch den Genuss und das Vergnügen sucht, dann besteht die grosse Gefahr, enttäuscht oder sogar abhängig zu werden. Wer von etwas abhängig wird, ist süchtig und Sucht ist mit viel Leid verbunden.


Man sollte dem Genuss jedoch auch nicht feindlich gegenüberstehen. Es gibt nichts dagegen einzuwenden, ein feines Essen oder den liebevollen Sex mit dem Partner zu geniessen. Eine moralisch ablehnende Haltung dem Genuss gegenüber oder das Vorhandensein von Gewissenskonflikten führt ebenso zu Leid und Unzufriedenheit.

 

Grundsatz der unmittelbaren Handlung:


«Jagst Du einem Ziel nach, machst Du Dich unfrei. Wenn Du aber allem, was Du tust, nachgehst, als wäre es ein Ziel in sich selbst, befreist Du Dich.»


Es wird nicht damit ausgesagt, dass man keine Ziele im Leben haben soll. Ziele geben einem eine Richtung vor und die nächsten Schritte, die damit einhergehen. Du kennst sicher den Spruch «der Weg ist das Ziel» und so ist dieser Grundsatz auch zu verstehen.


Man sollte nicht auf ein Ziel fixiert sein, denn allenfalls ändert sich dieses Ziel, weil wir oder die Umstände sich ändern. Es heisst aber auch nicht, dass wir das Ziel aufgeben, wenn wir auf dem Weg Hindernissen und Schwierigkeiten begegnen.


Aus meiner Sicht heisst dieser Grundsatz auch, dass man jeden Schritt auf dem Weg zum Ziel mit Bewusstheit ausführen soll, denn durch dieses im Hier-und-Jetzt-Sein spüren wir, ob die Handlung, die wir aktuell ausführen, richtig und stimmig ist.

 

Grundsatz der verstandenen Handlung:


«Deine Konflikte werden dann verschwinden, wenn Du sie aus ihrem letzten Grund heraus verstehst und nicht, indem Du sie lösen willst.»


Wir tragen alle unsere inneren Konflikte mit uns herum. Wenn wir tief verstehen, um was es eigentlich geht, wenn wir eine Erkenntnis über die Ursache des Konflikts haben, kann der Konflikt verschwinden. Dieses innere Erforschen mag anstrengend und vielleicht sogar mit Schmerz und schmerzhaften Erinnerungen verbunden sein. Doch durch das Erkennen und Loslassen wird der Konflikt verschwinden. In diesem Sinne lassen sich Konflikte nur lösen, wenn man sie tief versteht.

 

Grundsatz der Freiheit:


«Wenn Du Deinen Mitmenschen schadest, bleibst Du unfrei. Wenn Du aber niemanden beeinträchtigst, kannst Du in Freiheit tun, was immer Du magst.»


Gewaltlosigkeit ist eine der wichtigsten Prämissen auf dem spirituellen Weg. Da wir auf einer gewissen Ebene alle eins sind, schaden wir uns selbst, wenn wir einem anderen Wesen Schaden zufügen. Wenn unser Handeln jedoch die anderen weder in ihrer Freiheit noch in ihrer Unversehrtheit beeinträchtigt, können wir tun und lassen, was wir wollen.

 

Grundsatz der Solidarität:


«Wenn Du andere so behandelst, wie Du selbst behandelt werden möchtest, befreist Du Dich.»


Dieser Grundsatz sei der wichtigste von allen. Seine Anwendung – ergänzt mit dem vorhergehenden Grundsatz – führe zu positiver Kommunikation mit anderen Menschen.


Mich erinnert dieser Grundsatz an die goldene Regel:


«Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.»


Diese goldene Regel sagt im Umkehrschluss nichts anderes als:


«Behandle andere so, wie Du selbst gerne behandelt werden möchtest.»

 

Grundsatz über die Ablehnung der Gegensätze:


«Es kommt nicht darauf an, auf welche Seite Dich die Ereignisse gestellt haben. Wichtig ist für Dich zu begreifen, dass Du selbst keine Seite gewählt hast.»


Dies ist der einzige Grundsatz, mit dem ich nicht ganz übereinstimme. Silo scheint hier das Gesetz des Karmas nicht zu beachten.  


Wenn ich jedoch die mir vorliegenden Interpretationen lese, dann geht es hier vor allem darum, dass wir unsere Bedingungen, in denen wir leben, nicht einfach schicksalshaft annehmen müssen, sondern uns bewusst auch für andere Seiten interessieren dürfen.   


Wenn wir z.B. in eine bestimmte Religionsrichtung hineingeboren werden, heisst das nicht, dass wir diese Seite (fanatisch) vertreten müssen. Nein, vielmehr sollten wir über den Tellerrand hinausschauen und auch andere Seiten verstehen und akzeptieren lernen, was unweigerlich zu mehr Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit auf der Welt führen würde. 

 

Grundsatz über die Ansammlung von Handlungen:


«Alle Deine Handlungen, seien sie widersprüchlich oder einheitsfördernd, werden in Dir gespeichert. Wenn Du lernst, immer mehr aus innerer Einheit heraus zu handeln, so kann Dich nichts mehr aufhalten.»


Widersprüchlich sei eine Handlung, welche eine Empfindung von «Verrat an sich selbst» hinterlässt. Einheitsfördernd sei die Handlung, wenn sie die Empfindung hervorruft, dass «man sich im Einklang mit sich selbst» befindet. Jede widersprüchliche Handlung mache anfällig für weitere widersprüchliche Handlungen. Um aus dem Widerspruch herauszukommen und eine neue Richtung im Leben einzuschlagen, sei es am besten, wenn man diese zwölf Grundsätze anwenden würde.


Es liegt nun an Dir, ob Du diese Grundsätze in Dein Leben integrieren möchtest oder nicht.


Zum Abschluss möchte ich noch einen wichtigen Satz mit Dir teilen, den ich in dem mir vorliegenden Papier gefunden habe und über den es sich nachzudenken lohnt:


«Der Schlüssel zur Humanisierung der Erde liegt in der Fähigkeit zu GEBEN.»



Hier kannst Du die Grundsätze und deren Interpretation als pdf ausdrucken:


Die Erde menschlich machen - zwölf Grundsätze
.pdf
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